Von Schlaumeiereien und dem erhobenen Zeigefinger

Schlaumeiereien_1000x602“Du bist eine Klugscheißerin und eine, die ständig mit dem erhobenen Zeigefinger herumrennt!” Buff, das war mal eine klare Ansage, mit der ein wirklich tolles Wochenende mit meinen lieben Freundinnen endete. Und ich habe dem nicht viel entgegenzusetzen. Irgendwie stimmt diese Aussage. Doch, was ich dazu dachte – aber um des Friedens Willen lieber nicht laut ausgesprochen habe – war: Dabei habe ich mir bei der Hälfte meiner Besserwissereien und Belehrungen schon auf die Zunge gebissen.

Ja, ich gebe es zu, ich schaffe es oftmals einfach nicht die Klappe halten, wenn Sie Eier aus Bodenhaltung kaufen, Lebensmittel in den Müll schmeißen, Vorurteile verbreiten und, und, und. In mir lösen solche Situationen den sofortigen Konflikt aus, ob mir diese Themen so wichtig sind, dass ich den verhassten erhobenen Zeigefinger hervorhole, oder doch kurz die Augen verschließe. Ich will ja schließlich keine nervige Besserwisserin sein. Das Groteske an diesen Situationen ist für mich jedoch, dass ich mich selbst stets als zu inkonsequent wahrnehme und das Gefühl habe, eigentlich nachhaltiger und bewusster leben zu wollen.

Möchte ich andere belehren?
Nein, eigentlich soll jeder leben und konsumieren, wie er möchte. Ich habe keine Lust auf die Rolle der Öko-Tante, die alle Menschen in ihrem Umfeld andauernd belehrt. Aber wenn meine lieben Freund*innen ihre Bierflaschen am See mit einem lauten “Plopp” öffnen und vor lauter Freude vergessen, die Kronkorken vom Boden aufzusammeln, kann ich einfach nicht widerstehen. Ich stehe auf und sammle umwelt- und pflichtbewusst die Flaschenverschlüsse wieder auf. Bin ich nun zu pingelig oder sind die anderen zu ignorant?

Ebenso ergeht es mir in hitzigen Debatten über Flüchtlinge, Homosexuelle oder andere Gruppierungen. Wenn mir bei Diskussionen zu diesen Themen die Vorurteile und Verallgemeinerungen völlig unbedarft um die Ohren fliegen, kann ich mich einfach nicht zurückhalten. Ich ergreife direkt Partei und möchte meinem Gegenüber sein unreflektiertes Gerede bewusst machen. Bin ich nun zu sozial oder sind die anderen zu ignorant?

Für mich sind diese Fragen natürlich schnell beantwortet und so werde ich wohl auch beim nächsten Grillabend am See, dem gemeinsamen Einkauf im Supermarkt oder der hitzigen Diskussion über einzelne Gesellschaftsgruppen nicht meinen Mund halten können und meine Belehrungen laut kund tun (weil ich es schließlich wirklich besser weiß – finde ich).

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