Tütenschlacht!

Tütenschlacht_Cat_1000x618Erinnert ihr euch noch an die wilden Kissenschlachten, die man als Kinder oft veranstaltet hat?
Ich kann es noch bis heute genau hören, wie mein Bruder mir früher wie aus dem Nichts “Kissenschlacht!” ins Ohr brüllte und wusch bekam ich von hinten auch schon das größte und dickste Kissen über den Kopf gezogen, das er nur hatte finden können. Nun hieß es schnell zum Gegenangriff überzugehen und sich seinerseits ein Kissen zu schnappen und dabei mit den Armen die weiteren Attacken abzuwehren. Das Kissen, das ich schließlich zu greifen bekam, war natürlich weit weniger groß und überhaupt nicht geeignet für eine Schlacht mit dem großen, stärkeren Bruder mit dem riesigen Kissen. Nein, ich musste meist mit einer kleineren “Waffe”, die eher zu Dekozwecken diente, in die Schlacht ziehen und mit Schnelligkeiten punkten, was mir mal besser und mal schlechter gelang.

Heute höre ich das Wort “Kissenschlacht” nicht mehr so häufig, aber ich habe das Gefühl, dass doch viele Erwachsene diese kleinen Schlachten aus Kindertagen vermissen und sich darum alternativ liebend gern eine Tütenschlacht liefern. Zugegeben, mir hat noch nie jemand das Wort “Tütenschlacht!” entgegengeschmettert und mir anschließend von hinten eine Tüte über den Kopf gezogen – wobei ich diese Vorstellung sehr lustig finde.
Nein, das ist mir noch nicht passiert, aber oft genug wird an Einkaufskassen vor meinen Augen eine Tüte ergriffen und mit einem kräftigen Schwung geöffnet, dass es knallt, als würde man mir sagen wollen: Los geht’s, Tütenschlacht! Und ehe ich zum Gegenangriff ansetzen kann, sind meine Einkäufe auch schon in einer großen Tüte verschwunden. Triumphierend wird mir dann die mit Einkäufen gefüllte Tüte entgegengestreckt, als wolle mein Gegenüber mir freudestrahlend sagen: Gewonnen!

Dann wird die Situation kritisch. Ich greife in meine Tasche, hole einen wirklich schönen Jutebeutel hervor und sage beinahe schuldbewusst: “Die Tüte brauche ich nicht”. An guten Tagen, wenn mir niemand etwas Böses will, zieht die Verkäuferin ihren Schlachtruf und ihre Kampfwaffe zurück und überreicht mir meine Errungenschaften ohne Papier- oder Plastikhülle. Aber wehe, es handelt sich um einen schlechten Tag, an dem sich die ganze Welt gegen mich verschworen hat. An diesen Tagen nämlich befinden sich hinter einem lange Schlangen wartender Kund*innen und vor einem eine ungeduldige Verkäuferin, die für solche Spinnereien nun wirklich keine Zeit hat. “Das hätten Sie früher sagen müssen!”, ist dann nicht selten die Reaktion, auf die selbstverständlich kein Rückzug des Angreifers und seiner Schlachtwaffe folgt. Wann denn genau, denke ich mir in dieser Situation, wenn ich nicht gefragt werde, ob ich eine Tüte benötige. Vielleicht während ich gerade meine Kleingeldfach nach passenden Münzen durchsuche? Oder doch kurz bevor mir die in Windeseile gefüllte Einkaufstasche entgegen gereicht wird?

Tütenschlacht_OprorFest steht, ich will diese Tüte nicht und ziehe innerlich eine Schnute, wie ein Kind, das unbedingt ein Eis haben möchte. Ich habe nämlich eine viel tollere Tasche als mein Gegenüber und ich bin bestens vorbereitet. Ich habe immer einen meiner zahlreichen Jutebeutel mit großartigen Sprüchen in meiner Tasche, und in eben dieser möchte ich stolz meine Einkäufe versenken und von dannen ziehen. Meinen aktuellen Lieblingsbeutel ziert der Spruch “When I die, my cat get’s everything”. Grandios! Gut, ich habe keine Katze, der ich meine gesamtes Hab und Gut vermachen könnte, aber wenn ich eine hätte, würde sie alles erben. Ehrenwort! Und bis dahin habe ich meinen Hund. Solange also keine Katze bei uns eingezogen ist, erkläre ich ihn zu meinem Erben. (Der wird nen Spaß haben mit meinem Krempel.) Um nun mein Gegenüber, das mich zur Tütenschlacht herausgefordert hat, zu schlagen, habe ich aber noch eine weitere , wirklich ideale Baumwolltasche dabei und die brüllt ihr mit einem fetten Schriftzug “Oprør” entgegen. Auch wenn ich nicht sicher bin, was dieses dänische Wort bedeutet, gehe ich fest davon aus, dass es “Aufruhr” bedeutet. Und genau darum geht es: Lasst uns einen Aufruhr starten gegen diese ständigen, nervigen Tütenschlachten.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.