Kann Online-Shopping nachhaltig sein?

2019-Onineshopping-Armedangels-VerpakungMöglichst nachhaltig zu leben, bedeutet für unterschiedliche Bereiche des Alltags gute Alternativen zu finden. Bio-Lebensmittel kaufen, möglichst Plastik- und Müllfrei konsumieren, öko-faire bzw. Second-Hand-Mode tragen, Naturkosmetik verwenden und, und, und. Verantwortungsvoll zu konsumieren ist inzwischen für viele Menschen wichtig und es wird zunehmend einfacher, denn es gibt immer mehr Marken und Shops, die ökologisch und sozial produzierte Artikel anbieten.

Berlin, Hamburg, Köln und andere Großstädte haben eine große und tolle Auswahl nachhaltiger Geschäfte. Von Unverpacktläden, über coole Vintage-Stores bis zu Fair-Fashion-Shops findet man alles, was für einen nachhaltigen Lebensstil notwendig ist. Kein Problem also, Öko-faire-Artikel lokal zu kaufen, oder? Nicht ganz. Denn erstens ist (bislang) nur eine begrenzte Auswahl an Marken und Produkten in lokalen Läden erhältlich und zweitens lebt nicht jede*r in einer Großstadt, in der es bereits (viele) nachhaltige Shops gibt.

Die perfekte Alternative ist schnell gefunden: Nachhaltige Online-Shops, die ein breites Sortiment und oftmals auch noch günstigere Preise bieten können – und obendrein, die Wunschartikel auch noch direkt vor die Haustür liefern. Vor allem in kleinen Orten, in denen es keinerlei Geschäfte mit nachhaltigen Produkten gibt, sind Onlineshops, die einfachste Lösung, faire oder ökologische Artikel zu erhalten. So wird der nachhaltige Lebensstil sozusagen per Post direkt nach Hause geliefert.

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Das Positive ist, dass bei Eco-Onlineshops nicht bloß der Kunde auf Nachhaltigkeit Wert legt, sondern auch die Shops selbst. Die Waren werden möglichst umweltfreundlich verpackt, zum Beispiel in recyceltem Papier oder in Kartons aus schnell nachwachsendem Gras; unnötiges Verpackungsmaterial wird vermieden und anschließend alles idealerweise noch weitestgehend klimaneutral versendet. Trotzdem fallen bei jedem Online-Kauf Verpackungsmaterialien an, die eventuell vermeidbar wären. Oftmals werden für den Versand Kartons verwendet, die deutlich größer sind als das eigentliche Produkt und damit unnötigen Platz in Transportfahrzeugen verbrauchen.

Erstaunlicherweise ist eine Online-Bestellung trotz Verpackung und Versand mitunter umweltfreundlicher als ein Kauf vor Ort. Internet-Shops lagern ihre Produkte platzsparender und erzeugen dadurch in der Regel geringere Heiz- und Stromkosten als ein Ladenlokal. Bleibt noch der Paketversand, doch auch der ist unter Umständen CO2-ärmer (etwa 600 Gramm) als eine Fahrt mit dem Auto (etwa 2.400 Gramm) zum nächstgelegenen Biomarkt oder Fair-Fashion-Shop. Wären da nicht die Retouren…

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Pro Jahr werden rund 490 Millionen Artikel retourniert. Im Modebereich gehen etwa 50% aller Artikel als Retoure an den Anbieter zurück. Das T-Shirt sitzt nicht richtig, die Schuhe sind zu groß, die Farbe ist anders als abgebildet, die Gründe für Rücksendungen sind so vielfältig wie die Kartons und Versandtaschen, die quer durch Deutschland – oder sogar darüber hinaus – transportiert werden. Doch selbst wenn ein Produkt nicht zurückgeschickt werden muss, wurde es eventuell getrennt von anderen bestellten Artikeln zugesandt oder es landete im Zweifel zunächst bei einer anderen Lieferadresse, wo es erst noch abgeholt werden musste. So wird der verantwortungsvolle Konsum schnell zu einem klimabelastenden Einkauf. (Quelle: Öko-Institut e.V.)

Beim nächsten Einkauf gilt es also genau zu überlegen, ob der Kauf vor Ort oder doch die Bestellung bei einem Online-Shop verantwortungsvoller ist. Dabei können wir einige Dinge berücksichtigen:

  • Nur bestellen, was wirklich notwendig ist: Vor der Bestellung lieber noch einmal überlegen, ob der gewünschte Artikel wirklich benötigt wird und ob es nicht doch lokal verfügbare Alternativen gibt, die ohne Auto besorgt werden können.
  • Unnötige Retouren vermeiden: Artikel nicht in zwei Varianten oder Größen bestellen, sodass von vornherein klar ist, dass ein Artikel wieder retourniert wird. Lieber genau schauen, welche Farbe, Form oder Größe bestimmt die richtige ist. So muss ein Paket wirklich nur im Ausnahmefall zurückgeschickt werden.
  • Bestellungen bündeln: Familie oder Freunde fragen, ob sie zufällig auch etwas benötigen. So können mehrere Bestellungen zusammengefasst und Ressourcen gespart werden.

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